Heutzutage hört man, dass
die Kinder kein richtiges Deutsch mehr sprechen können. Man hört, dass Migranten
die deutsche Sprache nicht lernen können (oder wollen) oder liegt die Schuld
daran, dass die Kinder überhaupt viel zu wenig lesen. Es wird viel vermutet. Für
mich ist es eine Tatsache, dass die deutsche Sprache vernachlässigt wird.
Rechtschreibreform hin oder her, nach ein paar Jahren macht man vieles wieder rückgängig;
die Kinder sollten ohne grammatikalische Regeln schreiben, nur nach Gehör. Mindestens
in den zwei ersten Schuljahren. In einigen Schulen macht man es so, in anderen wieder
nicht. Was mich als Diplom-Übersetzerin krank macht ist, dass in jedem aus dem Englischen
übersetzten Buch oder Film z. B. Wörter wie „Mama“, „Papa“ oder „Oma“ nicht mehr
übersetzt werden. Nur noch „mom“, „dad“ „grandmom“ und so weiter. Das sind
keine Eigennamen. Es wundert mich dann nicht, dass ein Mädchen von „Dad“ redet,
anstatt von „Papa“. Oder der „Sir“ statt der „Herr“; „ay, ay“ statt „jawohl“ oder
die „cops“. Wie auf einem Sender zu sehen ist: „Die Straßencops“. Auch Film-
und Büchertitel werden einfach gar nicht übersetzt. Geht es noch? Ich könnte
eine ganze Seite mit Beispielen füllen. Ist das irgendwie modern? Faulheit oder
Snobismus? Und es scheint immer schlimmer zu werden, obwohl Englisch z.T. als
Fach in der Grundschule nicht mehr angeboten wird. Beim Reden leihen oder
adaptieren die Menschen Wörter aus anderen Sprachen und so entwickelt sich die
Sprache. Es scheint so, dass das Fernsehen oder die Verlage mit Hilfe von
Pseudo-Übersetzer versuchen irgendwie die englische Sprache mit Gewalt in die
deutsche zu integrieren. Wieso beschwert man sich überhaupt, wenn die Kinder
nicht mehr richtig reden? In anderen Ländern schafft man das mit weniger
Ressourcen und Studien. Jawohl! Wie z.B. in Frankreich. Oder in Lateinamerika.
Spanien ist der Sitz einer Sprachakademie (in Deutschland gibt es nichts
Vergleichbares), die sogar ein einheitliches Wörterbuch der Spanischen Sprache für
alle spanisch-sprechenden Länder herausbringt. Man redet trotzdem mit
regionalen und grammatikalischen Unterschieden und das geht ausgezeichnet. Die
deutsche Sprache kann einem schwer vorkommen, es gibt aber andere noch schwerere.
Wenn man schon in einem multikulturellen Land lebt, braucht man etwas was alle zusammenbringt
und ein Gefühl der Zusammenzugehörigkeit vermittelt. Eine Sprache „noch
einfacher“ machen zu wollen ist wirklich keine Lösung.